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Zahnärzte ohne Grenzen

Projektnummer: 9051

Der Jemen ist bei uns oft nur wegen negativer Schlagzeilen in den Medien. Jedoch ist der Jemen ein atemberaubend schönes Land auf der arabischen Halbinsel. Die Natur- und Bergwelt und die oft einzigartige Architektur ziehen den Besucher in ihren Bann.

Leider leidet die Bevölkerung des Landes neben wirtschaftlichen Schwierigkeiten besonders auch unter der mangelnden Gesundheitsversorgung. PAI kooperiert mit dem jemenitischen Gesundheitsministerium und führt an drei Standorten Projekte zur nachhaltigen Verbesserung der ländlichen Gesundheitsversorgung und zur Gesundheitserziehung durch. Ein großes Problem ist die zahnmedizinische Versorgung. Aufgrund von sich verändernder Essensgewohnheiten, Rauchen und einem Mangel an Bildung hat sich die Mundgesundheit in vielen Entwicklungsländern der Welt in den letzten Jahren nochmals verschlechtert. Im Jemen ist ein weiterer Grund der schlechten Mundgesundheit die Angewohnheit, Khat zu kauen. Diese Pflanze wird mit vielen Pestiziden angebaut, was das Risiko von Mundkrebs stark erhöht.

Neben den Projekten in Ibb, Taiz und im Süden des Landes führt PAI daher ergänzende Einsätze im Bereich Zahnmedizin durch. Dieser Bericht von Dr. Matthias Eigenbrodt (Zahnarzt, MSc International Health, PAI Consultant in Berlin) gibt einen Einblick in unseren Einsatz und die Probleme vor Ort:

Besuch   Blick

"Mitte März war es dann soweit. Mit unseren schweren Instrumenten und der mobilen Behandlungseinheit traten wir unsere Reise an. Unser erster Einsatzort war Hays am Roten Meer. Der Andrang im Distrikt-Krankenhaus, das uns einen eigenen Raum zur Verfügung stellte, war so groß, das die 50 zu behandelnden Menschen fast die Tür eindrückten. Das ist uns in unseren Praxen in Berlin und Marburg bisher nicht passiert.

Behandlung1   Behandlung2

Unser letzter Einsatzort führt uns in die herrliche Berglandschaft. Abdul Al-Saeedi hat uns in seine Heimat-Region mitgenommen. So kommen wir nicht nur in den Genuss der arabischen Gastfreundschaft, sondern haben auch das Vorrecht, hinter die Kulissen zu gucken. Die Region von Dhamar ist Khat-Anbaugebiet. Fast 80% der erwachsenen Jemeniten kauen Khat. Hierbei wird über die Mundschleimhaut der Wirkstoff Cathin (ein Amphetamin) aufgenommen. Vom deutschen Betäubungsmittelgesetz ist Khat verboten. Regelmäßiger Khatkonsum steigert nicht nur das Risiko von Herzerkrankungen, sondern auch von Krebs der Mundschleimhaut (wegen der oft enthaltenen Pestizide). In unserer Studie vor 12 Jahren konnten wir nachweisen, dass Khat zur Reduktion des parodontalen Attachments führt. So treffen wir in den Bergen auch ein paar ältere Jemeniten, die zu ihrem eigenen Bedauern nicht mehr Khat kauen können: Ihnen sind alle Zähne ausgefallen.

Wir haben in zwei Wochen 250 Menschen behandelt. Neben Extraktionen und Zahnreinigung haben wir Komposit- und Wurzelkanal-Füllungen vorgenommen. Meine Kollegin Dr. Annegret Steck hat uns freundlicherweise ihre mobile Behandlungseinheit zur Verfügung gestellt. An dieser Einheit ist alles dran, was einem Zahnarzt Freude macht: Turbine, Püster, Sauger, UV-Lampe und sogar ein ZEG zum Zahnstein entfernen. Dank PAI, dem lokalen Partner vor Ort und Sponsoren in Deutschland war unser Projekt ein voller Erfolg. Anfragen zur Wiederholung dieses Projekts haben wir schon zur Genüge."

Das Zahnarzt-Projekt beinhaltet verschiedene Aspekte:

  • Die zahnärztliche Behandlung der Bevölkerung
  • Vermittlung von Wissen über Mundhygiene 
  • Die professionelle Ausbildung von „Dorfzahnärzten". Diese erhalten mit Abschluss ihrer Ausbildung ein Zertifikat. Damit sichern sie sich selber einen Lebensunterhalt und tragen gleichzeitig einen großen Teil zu dem allgemeinen Wohlbefinden ihres Dorfes bei. 
  • Durch ein „School Screening" wurde der Gesundheitszustand von Kindern erfasst, um ein neues Gesundheitsprojekt zu planen.
  • Die Schaffung einer Plattform für gleich gesinnte Kollegen in Industrieländern
  • Die Schaffung einer „Rotationspraxis", in der mehrere Zahnärzte in Industrieländern einen Kollegen im Ausland finanzieren.
geschrieben am 17.06.2008 um 10:26 Uhr.
 

Jemen - Einsatz im Bereich Zahnmedizin - Projekte (Druckansicht)