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Hilfe in Nordpakistan 2005 - 2007

Am 8. Oktober 2005 erschüttert ein verheerendes Erdbeben die Region Kaschmir und weitere Bergprovinzen im Norden Pakistans und Indiens. Mit einer Stärke von bis zu 7,6 auf der Richterskala ist das Beben, dessen Epizentrum ca. 90 km nördlich von Islamabad liegt, eines der schwersten in der Region. Es fordert mindestens 87 000 Tote, über 80 000 Verletzte und 3 Millionen wurden plötzlich obdachlos.

Der Winter stand kurz bevor

Zu dieser Zeit kroch bereits der schneereiche Winter von den hohen Bergen in die Täler. Ein Wettkampf ums Überleben begann. Wie viel Zeit wurde wohl den Menschen und den beteiligten Helfern bleiben?
Über unseren Partner PAI Pakistan erreichten uns Hilferufe, in welchen es immer wieder hiess:

"Kommt vor dem Winter!"

Das Aufstellen von Zelten hat sich als notwendig, jedoch sehr oft als ungenügend erwiesen. Leider boten die meisten Zelte keinen ausreichenden Schutz vor Schnee und den starken Winterstürmen.

Titus Gall, der damals in Nordindien für Partner Aid International in Nordindien tätig war, hatte die zündende Idee, effektive Notunterkünfte aufzubauen. PAI entschloss sich daher, innerhalb kürzester Zeit Freiwillige zu finden, um sie in die betroffenen Regionen zu senden.

Einige Kriterien dazu mussten erfüllt sein:
* das Material soll schnell erhältlich sein,
* der Aufbau muss sich schnell und einfach gestalten,
* die Materialien sollten nach dem Winter für den Wiederaufbau eingesetzt werden können.

Die Konstruktion gestaltete sich einfach. Die tragende Struktur bestand aus gebogenen Stahlrohren, die dann mit Wellblech überzogen und mit Schaumstoff isoliert wurden.

shelter1   shelter2

Der Aufbau dieser sogenannten "Shelter" benötigte etwa eine Stunde und bot einer Großfamilie den nötigen Schutz den Winter zu überstehen. Das ganze war so stabil, dass die Dachlast 10 Männer betragen konnte. Mit Hilfe von freiwilligen Helfern und zusammen mit der einheimischen Bevölkerung konnten so 7500 Notunterkünfte meistens in Hochlagen über 2000 m.ü.M aufgebaut werden. Nur mit Hilfe von Hubschraubern der Bundeswehr, der Pakistanischen Armee und der Agha Khan Foundation konnte der Shelterbau in den Hochlagen durchgeführt und die Bevölkerung versorgt werden.

Partner Aid International hat das Shelter-Konzept neben der Durchführung der eigenen humanitären Arbeit auch anderen Organisationen wie Malteser International und der GTZ zur Verfügung gestellt.

Aus den Erfahrungen vom Notunterkunftbau konnte in vielerlei Hinsicht profitiert werden. PAI konnte Beziehungen zur Bevölkerung aufbauen und genießt somit Vertrauen und Akzeptanz.

Interview mit Titus Gall, dem Initiator der Notunterkünfte: Drei Jahre sind vergangen, was wurde aus diesen Notunterkünften?

"Viele dieser Notunterkünfte werden heute als Ställe für Ziegen und Schafe, als Vorratskammern für Gras, Stroh oder Mais eingesetzt. Viel Material fand auch Verwendung für den Wiederaufbau der Häuser."
 

Erbeben Pakistan 2005 (Druckansicht)